Wie unsere Schule zu ihrem Namen kam
von Hannelore Schulz, Lehrerin von 1966 – 2005
Als unsere Schule am 15. September 1966 eröffnet wurde, war sie noch namenlos. Sie lief unter der Bezeichnung 11. Grundschule Neukölln, aber natürlich sollte sie bald einen richtigen Namen bekommen. Also machten sich die Kollegen auf Namensuche. Das war nicht so einfach, denn alle Namen, die uns passend zu einer Grundschule erschienen, waren in Berlin schon vergeben. Schließlich schlug ein Kollege den damals populären Pädagogen Paul Heimann vor und das Kollegium folgte seinem Vorschlag, aber das Schulamt winkte ab: Paul Heimann lebte noch und es war nicht üblich, Schulen nach noch lebenden Personen zu benennen. Die Suche begann von neuem. Man durchforschte die Rudower Heimatgeschichte und stieß auf die Schulmeister Jahnke und Bölsche, auf den Lustgärtner Hanff und auf den Grundbesitzer Benda – sicher ehrenwerte Rudower Bürger, aber als Namenspatron für unsere Schule konnten wir sie uns nicht vorstellen. Was kam außer Persönlichkeiten sonst noch in Frage? Andere Schulen im Süden Neuköllns, die etwa zur selben Zeit erbaut wurden, nannten sich nach ihrer Lage, z.B. „Schule an den Achterhöfen“ oder „Regenweiher-Schule“. In unserer Nähe lag damals noch die Müllkippe, der heutige Dörferblick, aber „Schule an der Müllkippe“ klang nicht sehr einladend.

Da kam mir im Geschichtsunterricht eine Idee. Das alte Griechenland stand auf dem Plan und dazu gehörte natürlich die Geschichte Heinrich Schliemanns. Mich beeindruckte, wie beharrlich Schliemann seinen Kindheitstraum, das verschwundene Troja zu suchen, sein Leben langverfolgte. In dieser Beziehung schien er mir ein Vorbild für Kinder zu sein: Wenn du dir ein Ziel setzt und es unbeirrt verfolgst, kannst du es erreichen. Dazu kam, dass man auch jüngere Schüler für die spannende Lebensgeschichte Schliemanns interessieren kann. Dass Schliemann als Archäologe Fehler gemacht und deshalb von vielen Berufskollegen angegriffen wurde, war mir damals noch nicht bewusst, hätte aber auch meinen Vorschlag nicht beeinflusst. Bei den damaligen Kollegen fand ich Zustimmung. Nun musste noch die Frage geklärt werden, ob schon eine andere Schule den Namen Schliemanns trug. Tatsächlich gab es eine Schliemann-Schule, aber – wir schreiben das Jahr 1967 – sie lag in Ostberlin. Deshalb war das auch für das Schulamt kein Problem – an eine Wiedervereinigung gut 5 Jahre nach dem Mauerbau dachte damals niemand.
Und so konnte unsere Schule am 9./10. März 1967 im Rahmen der Veranstaltung „Tage der offenen Schultür“ auf den Namen „Schliemann-Grundschule“ getauft werden.
Unser Schulsymbol - Das Trojanische Pferd - wurde erst 25 Jahre später (Zum 25jährigen Bestehen im Schuljahr 1990/1991) auf dem Schulhof errichtet. Das geschah dank des Einsatzes des damaligen Verwaltungsleiters der Justizvollzugsanstalt Tegel, Herrn Baer.
Für die Schüler war das ein spannendes Ereignis und ein großer Höhepunkt. Seitdem trifft man sich auf dem Schulhof einfach an unserem "Pferd".


